Expo 2000 – 20 Years Later
Die Expo 2000 in Hannover war ein Symbol für eine vielversprechende, nachhaltige Zukunft. Sie ist angetreten als Großprojekt der Stadtentwicklung mit internationaler Strahlkraft. Doch wie hat sich dieses Versprechen in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt? Am 07. November 2023 wird in der BDA Galerie Hamburg die Ausstellung „Expo 2000 – 20 Years Later“ mit Fotoarbeiten von Piet Niemann eröffnet. Er zeigt dabei ausgewählte großformatige Motive aus seinem jüngst im Kerber Verlag erschienenen Bildband, der eine fotografische Bestandsaufnahme des Expo-Geländes in Hannover 20 Jahre nach der Weltausstellung von 2000 darstellt. Seine Fotografien aus dem Jahr 2020 sind nicht nur eine visuelle Dokumentation, sondern auch ein Aufruf zum Nachdenken über die Ausmaße solcher Weltausstellungen und die Verantwortung gegenüber Umwelt und der städtischen Gesellschaft.
In einer Zeit, in der der Bausektor für etwa 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist und Themen wie Kreislaufwirtschaft, Materialknappheit und Nachnutzung global im Fokus stehen, liefert Piet Niemanns Arbeit einen aktuellen Kontext für Diskussionen über Nachhaltigkeit und Verantwortung im Bauwesen. Die Expo 2000 war ein Symbol für eine vielversprechende, nachhaltige Zukunft. Doch wie hat sich dieses Versprechen in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt? Piet Niemanns Fotografien aus dem Jahr 2020 sind nicht nur visuelle Dokumente, sondern sie fordern auch dazu auf, über die Umsetzung und Einlösung dieses Versprechens nachzudenken.
Piet Niemann, der bereits für namhafte Architekturbüros wie Zaha Hadid Architects (London) und Delugan Meissl Associated Architects (Wien) tätig war, ist nicht nur als Architekturfotograf bekannt, sondern auch für seine freien Langzeitprojekte mit makrosoziologischem Bezug. Seine charakteristische Herangehensweise zeichnet sich durch distanzierte und nüchterne Beobachtungen aus, die die sozialen und architektonischen Veränderungen in unserer Umwelt reflektieren. In seinem neuesten Werk betrachtet Niemann mit diesem distanzierten Blick die Veränderungen auf dem Expo-Gelände und präsentiert sie in einem Bildband auf 128 Seiten. Seine Fotografien zeigen nicht nur die verlassenen Pavillons, sondern auch die Spuren der Natur, die das Gelände zurückerobert hat. Diese Bilder erinnern an die Vergänglichkeit und zugleich die Widerstandsfähigkeit der gebauten Umwelt. „Expo 2000 – 20 Years Later“ ist nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein eindringlicher Aufruf zum Nachdenken über unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt und den begrenzten Ressourcen, die wir nutzen.
„Niemanns Bilder zeigen den Zustand von 2020 in nebelgehüllter Ehrlichkeit: Der Fotograf stieß auf das Betongerippe des Niederländischen Pavillons, auf vor offener Landschaft aufgereihte Studentenwohnheime und den verlassenen knallgelben Pavillon Litauens, hinter dem sich, durch eine Wiese getrennt, eine farblich passende IKEA-Filiale als Gewerbebox niedergelassen hat“, schreibt der Architekturjournalist Benedikt Crone im Vorwort. Im Essay „Schönheit einer Ruine“ gibt Jacob van Rijs vom Architekturbüro MVRDV einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Niederländischen Pavillons bis hin zu seiner Transformation in ein zeitgenössisches Erbe. Zur aktuellen Transformation des Pavillons sagt er: „Wir verwandeln ein temporäres Projekt in ein dauerhaftes Gebäude, während wir den ursprünglichen Geist des Entwurfs beibehalten [...] Vielleicht finde ich die Fotos von Piet Niemann deshalb so besonders. Sie zeigen einen Zwischenstand des Pavillons, man weiß nicht, ob er bleibt oder geht.“
Eröffnung: 07.11.2023, 19 Uhr
Sprecher*innen: Sven Thorissen (Studio Director Germany von MVRDV)