29.8.–8.11.2026

Orte ohne besondere Lagequalitäten

Versuch einer Neubewertung der ISOS- Ortsbildaufnahmen von 1981

Museum im Bellpark

Öffnungszeiten
Mi–Fr 14–17 Uhr Sa-So 11–17 Uhr

Das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS, aufgenommen ab 1973, blickt auf eine Schweiz um 1900 zurück. Als Grundlage für die Auswahl der Ortsbilder diente die Siegfriedkarte (1870-1926). Sie zeigt eine Schweiz mit in die Landschaft eingebetteten idyllischen Dörfern und pittoresken mittelalterlichen Städten. Von den rund 6’000 schweizweit untersuchten Ortsbildern wurden 1’200 als solche von nationaler Bedeutung eingestuft. Diese sollten erhalten bleiben und gepflegt werden.

Zum Zeitpunkt der ISOS-Ortsbildaufnahmen hatten die Agglo-Gemeinden in diesem Bild keinen Platz. Sie wurden deshalb als «Orte ohne besondere Lagequalitäten» bezeichnet und werden ihr schlechtes Image bis heute nicht los. Die Agglo gilt als hässlich, unwirtlich und störend. In ihrer baulichen Entwicklung wurden die Vorortgemeinden deshalb nicht der Denkmalpflege, sondern der Raumplanung überlassen. Diese Einschätzung ist Ausdruck der allgemeinen architekturkritischen Stimmung der 1970er Jahre. Die Ölkrise, die Warnungen des Club of Rome, das Europäische Denkmalschutzjahr von 1975 sowie die steigende Bautätigkeit und die damit verbundene Veränderung der Ortschaften führten zu einer Entfremdung gegenüber der zeitgenössischen Architektur. Als Reaktion darauf richteten die Architekt:innen ihren Blick auf historische Ortsbilder und traditionelle Siedlungsstrukturen. Die ISOS-Ortsbildaufnahmen stellen darin das umfangreichste und systematischste Projekt dar. Ausgehend von den ISOS-Aufnahmen von Emmen, Emmenbrücke, Horw und Kriens aus dem Jahr 1981 unternimmt die Ausstellung eine Relektüre des damals entstandenen Fotobestands. Ermöglicht ein Blick zurück in das fotografische Inventar etwa eine Neubewertung der Agglomeration? Ergänzt wird dieser Blick ins Inventar mit einer Auswahl zeitgenössischer Architekturprojekte, die in den vergangenen Jahren in den Gemeinden um Luzern realisiert wurden*. An ihnen lassen sich neue Tendenzen im Umgang mit dem Phänomen Agglo erkennen. Weiterbauen in der Agglomeration bedeutet, sie als eigenständigen Siedlungsraum zu verstehen und ihre räumlichen Qualitäten weiterzuentwickeln.

Eröffnung: 29.08.2026, 17 Uhr