Wenche Selmer
Die Ausstellung präsentiert das Werk der norwegischen Architektin Wenche Selmer (1920–1998), das sie häufig gemeinsam mit ihrem Ehemann Jens Selmer (1911–1995) entwarf und konzipierte.
Für sie war die Hütte mehr als nur ein Bauprojekt. Sie wurde zu einem Idealbild für Architektur im Allgemeinen und zu einer Metapher für das einfache, gute Leben.
Wenche Selmer entwickelte eine unverwechselbare Architektursprache, die zugleich poetisch und großzügig war, aber auch von fast schon unerbittlicher Nüchternheit geprägt. Sie bezeichnete ihre eigenen Projekte oft als unbedeutend. Hinter den Fassaden dessen, was sie „das kleine Holzhaus“ nannte, waren die Projekte unverkennbar modern, mit offenen und effizienten Grundrissen ohne Flure und einer auf das Wesentliche reduzierten Raumnutzung.
Die Auseinandersetzung mit lokalen Bautraditionen, sorgfältige Standortuntersuchungen und ein einfühlsames Verständnis für das Bauprojekt und die Menschen, die dort leben würden, waren zentrale Werte in Selmers Ansatz. Sie vertrat das Ideal eines reichen Lebens, das durch einfache Mittel erreicht wird. „Auf was kann man verzichten?“, fragte sie sowohl ihre Auftraggeber als auch die Studierenden, die sie an der Osloer Architekturhochschule unterrichtete, vor dem Hintergrund der Ressourcenknappheit der Nachkriegszeit und eines aufkeimenden Umweltbewusstseins.
Diese Frage ist auch heute noch aktuell. Die wachsenden Ferienhaussiedlungen mit ihrer immer umfangreicheren Infrastruktur haben zur Verschlechterung der norwegischen Naturlandschaft beigetragen. Im Gegensatz dazu stehen die wunderschönen, minimalistischen Holzhütten von Wenche und Jens Selmer, die in der Geschichte der norwegischen Ferienhausarchitektur sowohl als Vorbilder als auch als Gegenpole dienen.
